Wie viel leistet eine PV-Anlage nach 20 Jahren wirklich? Reale Degradationsdaten aus 21 Betriebsjahren
Kurz beantwortet: Meine 2,52-kWp-Anlage hat in 21 Betriebsjahren (2005–2025) laut realer Trendanalyse rund 3,6 % ihrer ursprünglichen Ertragsfähigkeit verloren (-0,18 %/Jahr) – deutlich weniger, als viele Hersteller-Garantiewerte (10–15 % nach 20 Jahren) vermuten lassen.
Wer eine Photovoltaikanlage plant, liest fast überall dieselbe Zahl: "0,5 % Leistungsverlust pro Jahr", garantiert von Herstellern über 20 oder 25 Jahre. Aber wie stark eine Anlage im echten Betrieb wirklich nachlässt – unter realem Wetter, mit Verschmutzung, Verschattung und allem, was ein Dach im Alltag mit sich bringt – darüber gibt es kaum belastbare Langzeitdaten aus erster Hand. Ich kann das beantworten: Meine Anlage läuft seit 2003, ich habe seit 2005 jeden Monat die Erträge dokumentiert.
Warum die Hersteller-Angabe allein nicht die ganze Wahrheit ist
Modulhersteller garantieren typischerweise, dass nach 20 Jahren noch 85–90 % der Nennleistung erreicht werden (entspricht rechnerisch etwa -0,5 % bis -0,75 % pro Jahr). Das ist eine Mindestgarantie, kein Erfahrungswert – Hersteller kalkulieren hier bewusst konservativ, um auf der sicheren Seite zu sein. Was eine Anlage tatsächlich leistet, hängt von Modulqualität, Installation, Standort und Pflege ab. Genau diese Lücke füllen meine eigenen Messdaten.
Meine Methode: der reale Trend aus 21 Jahren Messdaten
Der Jahresertrag schwankt von Natur aus stark mit dem Wetter – ein sonniges Jahr wie 2022 (1.070 kWh/kWp) liefert deutlich mehr als ein trübes wie 2010 (881 kWh/kWp). Diese Schwankungen würden eine reine Jahr-zu-Jahr-Betrachtung verfälschen. Deshalb habe ich eine lineare Regression über alle 21 Jahreserträge gelegt, die die Wetterschwankungen statistisch ausmittelt und nur den langfristigen Trend übrig lässt:
Jahresertrag pro kWp, 2005–2025 (echte Messwerte) mit Trendlinie
Datenquelle: eigene monatliche Ertragsaufzeichnungen der 2,52-kWp-Anlage (Süd-Ost, 43° Dachneigung), Bayern.
Ergebnis: Der Trend fällt von rechnerisch 1.014,7 kWh/kWp (Ausgangsniveau 2005) auf 978,1 kWh/kWp im Jahr 2025 – ein Rückgang von -0,18 % pro Jahr. Das ist etwa ein Drittel des häufig zitierten Hersteller-Garantiewerts von -0,5 %/Jahr.
Warum ist der reale Wert besser als die Garantie?
Ein paar plausible Gründe aus meiner eigenen Erfahrung: hochwertige Module können deutlich besser altern als die konservativ kalkulierte Garantie, regelmäßige Wartung und der Umstand, dass sich die Ertragsmesstechnik selbst nicht verschlechtert, spielen mit hinein. Wichtig ist aber auch: 21 Jahre sind eine einzelne Anlage, kein Kollektiv – der Wert ist eine Orientierung, keine Garantie für jede Anlage.
Rechner: Was bedeutet das für Ihre eigene Anlage?
Mit dem folgenden Rechner können Sie den realen Alterungstrend meiner Anlage auf Ihre eigene übertragen und mit der Hersteller-Garantie vergleichen:
Degradationsrechner: 20-Jahres-Prognose
Basierend auf dem realen Alterungstrend meiner eigenen 2,52-kWp-Anlage (21 Jahre Messdaten)
Nach 20 Jahren noch – der ursprünglichen Leistung
Leistungskurve über 20 Jahre
Der reale Trend (-0,18 %/Jahr) wurde per linearer Regression aus 21 Jahren tatsächlicher Ertragsdaten meiner eigenen Anlage berechnet (Wetterschwankungen sind darin bereits ausgemittelt). Er ist eine Orientierung für Anlagen ähnlichen Alters und Typs, kein garantierter Wert für jede Anlage.
Was bedeutet das praktisch für Ihre Investitionsentscheidung?
Wenn reale Anlagen tendenziell langsamer altern als Hersteller-Garantien unterstellen, sprechen die Zahlen dafür, dass sich eine gut gewartete PV-Anlage auch nach 20 Jahren noch lohnt – die meisten Wirtschaftlichkeitsrechnungen, die konservativ mit -0,5 %/Jahr kalkulieren, unterschätzen den tatsächlichen Ertrag eher, als ihn zu übertreiben. Das ist besonders relevant für Anlagen, deren EEG-Förderzeitraum (20 Jahre) ausläuft und die danach im Eigenverbrauch oder mit reduzierter Einspeisevergütung weiterlaufen.
Häufige Fragen zur Degradation von PV-Anlagen
Gilt der Wert von -0,18 %/Jahr auch für meine Anlage?
Nicht zwingend 1:1 – er stammt aus einer einzelnen Anlage mit bestimmten Modulen, Standort und Ausrichtung. Er zeigt aber, dass reale Werte oft deutlich besser ausfallen können als die konservativen Hersteller-Garantien, und liefert eine realistische Orientierungsgröße.
Warum schwanken die Jahreserträge so stark, wenn die Anlage kaum altert?
Die Jahres-zu-Jahr-Schwankungen (z. B. 881 vs. 1.070 kWh/kWp) entstehen fast ausschließlich durch das Wetter (Sonnenscheindauer, Bewölkung), nicht durch Alterung. Erst wenn man über viele Jahre den Trend herausrechnet, wird der tatsächliche, sehr viel kleinere Alterungseffekt sichtbar.
Wie oft werden diese Zahlen aktualisiert?
Bei jedem jährlichen Datenupdate fließt das neue Jahr in die Regression ein und der Trendwert wird neu berechnet.
Datengrundlage: eigene monatliche Ertragsaufzeichnungen der 2,52-kWp-Dachanlage (Süd-Ost-Ausrichtung, 43° Neigung, Bayern, in Betrieb seit 24.06.2003, Messreihe seit 2005). Trend berechnet per linearer Regression (Methode der kleinsten Quadrate) über die 21 Jahreserträge 2005–2025.